Kompaktsportler mit 271 PS (Peugeot 308 GTi)

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Peugeot baut wieder einen Hot Hatchback, der seinem Namen gerecht wird. Der 1,6-Liter-Motor im Peugeot 308 GTi stammt direkt aus dem RCZ R. Dabei schlägt er mit 272 PS den aktuell stärksten Golf GTI um 42 PS. Laut Hersteller wiegt der Peugeot 308 GTi  weniger als 1,3 Tonnen (vollgetankt, ohne Fahrer). Leichtes Spiel gibt es auch beim Fahrwerk: Dessen Komponenten bestehen teilweise aus Aluminium, etwa die Querlenker an der nach dem McPherson-Prinzip gebauten Vorderachse mit 1,67 Grad negativem Radsturz für besseres Einlenkverhalten und mehr Grip in Kurven. An der angetriebenen Achse hat Peugeot Sport auch das Torsen-Differenzial aus dem hervorragenden RCZ R eingebaut. 37 Prozent beträgt die Sperrwirkung beim Beschleunigen, 30 Prozent beim Bremsen. Der per Knopfdruck aktivierte Sportmodus ändert sofort den ansonsten sanften Ton: Der Vierzylinder-Turbo wird dann deutlich rauer – aber nur im Innenraum. Der Sound, der aus dem Auspuff röhrt, bleibt weiterhin dezent, nur das laute Ablasspfeifen und Turbozischen aus dem Bereich der Motorhaube nicht. Weiterer Vorteil des Sportmodus: Im unteren Drehzahlbereich spricht der mit mehr als 1,5 bar aufgepustete Vierzylinder jetzt merklich aggressiver an, steigert seine Leistung recht linear bis zum Erreichen der 272 PS bei 6.000 Touren. Bei 6.500 greift der Begrenzer ein. Hart fordert er dann die nächste Fahrstufe. Die rechte Hand greift zum Schaltknüppel. Die Gänge lassen sich einfach und schnell schalten. Die Schaltwege sind gut und die Sechsgang-Box kennt kein Gezicke. In etwa sechs Sekunden geht der Peugeot auf 100 km/h. Bei 250 km/h wird der 308 GTi eingefangen. Für mehr Durchzugsvermögen hat der GTi ein modifiziertes Sechsganggetriebe: Ab Fahrstufe drei haben die Übersetzungsverhältnisse der Gänge eine geringere Spreizung. Das macht sich bemerkbar. Auch verwinkelte Ecken können im Dritten gefahren werden, ohne dass es an Schub mangelt. Das manuelle Getriebe lässt sich einwandfrei schalten. Im Interieur blickt man auf die Rundinstrumente, die über dem Lenkrad positioniert sind, und so beim Fahren besser im Blick liegen. Die Lenkung ist spitzenmäßig. Dank ihr lässt sich der scharfe 308 zackig in die Kurven werfen. Über das handliche Lenkrad und die einwandfreien Sportsitze bekommt der Fahrer stets eine vertrauensschaffende Rückmeldung darüber, was unter den vier Rädern passiert. Die Fahrwerksabstimmung des GTi stellt einen annehmbaren Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort dar. Auf welligen Nebenstraßen haben die Federelemente zwar allerhand zu tun, kommen aber erst bei groben Löchern an die Grenze. Insgesamt präsentiert sich der 308 GTi als gut ausbalanciert und fühlt sich auf kurvigen Landstraßen pudelwohl. Das Torsensperrdifferenzial versieht seinen Dienst weitestgehend im Verborgenen. Das Ergebnis ist jedoch spürbar, denn ESP-Regeleingriffe sind nur in sehr engen Ecken bei vollem Leistungseinsatz zu verzeichnen. Die große Bremse langt ordentlich zu und ist dem kraftvollen Motor locker gewachsen. Die Vorderachse baut beim Einlenken enormen Grip auf, selbst mit ganz normalen Straßenreifen vom Typ Michelin. Dass die Lenkung dabei nur wenig Feedback von der Straße übermittelt, schadet dem Fahrerlebnis nur wenig, weil sie trotz ihrer Taubheit durchaus präzise arbeitet. Mit 272 PS, Sport-Fahrwerk und genügend Rest-Komfort bietet der Peugeot 308 GTi für einen Kompaktsportler ein überzeugendes Gesamtpaket. Der 308 GTi  setzt auf eine ausgewogene Abstimmung, die sportlich genug ist, mit dem stattlichen maximalen Drehmoment von 330 Nm fertig zu werden, aber ausreichend komfortabel bleibt, um den eigentlichen Zweck eines Autos zu erfüllen. Nämlich die Entfernung zwischen A und B angenehm zurückzulegen. Dafür ist in erster Linie das Fahrwerk verantwortlich. Das hatte bei Peugeot nicht nur kompromissbereite, sondern auch kompromissfähige Entwickler. Sie fanden den besten Weg bei der Gratwanderung zwischen Komfort und Agilität. Bei den sportlichen Qualitäten gibt sich der GTi ebenfalls nicht die geringste Blöße. Der Richtung, die der Fahrer über die von Antriebseinflüssen freie, dafür aber an Rückmeldung reiche Lenkung vorgibt, wird auch bei extrem hohem Tempo präzise gefolgt. Der flotte Franzose bleibt dabei fast völlig neutral. Der technische Aufwand, der dafür betrieben wurde, ist erheblich, hat sich aber eindeutig gelohnt.

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