Architekturreise Fuerteventura

Die sanfte Atlantik-Perle

Als zweitgrößte und östlichste Insel der Kanaren liegt Fuerteventura im Atlantischen Ozean an der Küste zum afrikanischen Kontinent. Anders als oft assoziiert, hat sie weitaus mehr zu bieten als ihre karge, schwarzsandige Vulkanlandschaft.
Historisch und kulturell beeinflusst wurde Fuerteventura maßgeblich durch die spanische Eroberung Anfang des 15. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wurde die Insel der spanischen Krone unterstellt und galt ab diesem Zeitpunkt als Kolonialgebiet.
Noch heute findet man Anzeichen auf Fuerteventura aus der Zeit als es als spanischer Herrschaftsbesitz galt. So geht die einstige Hauptstadt Betancuria auf den Namen des Eroberers zurück. Neben dem von Franziskanern gegründeten Kloster San Buenaventura entstanden dort die ersten Siedlungen auf der Insel.
Diese ursprüngliche Bebauung befand sich besonders im Landesinneren. Da sich die Produktion Fuerteventuras in diesen Zeiten hauptsächlich auf Vieh- und Landwirtschaft und weniger auf Fischfang und Handel bezog, lebten die Bewohner der Insel überwiegend in naher Umgebung zu den Bergen im Hinterland, wo sich auch heute noch der überwiegende Teil der historischen Städte vorfindet.
Durch die Tourismuswelle der 70er- Jahre änderte sich diese Situation jedoch deutlich. Während das Inselinnere für Urlauber weniger von Interesse war, wurden die Küsten und Hafenstädte fokussiert und Fuerteventura als Aussteiger-Insel bekannt.
Heute zeigt sich Fuerteventura jedoch architektonisch als charmantes Zusammenspiel aus ihrer spanischen Kolonialvergangenheit und der modernen Zeit inmitten einer verblüffenden zerklüfteten Landschaft mit sanften Hügeln und kilometerlangen, goldgelben Sandstränden.
Besonders sehenswert ist die ehemalige Hauptstadt Betancuria, die eingebettet in dem gleichnamigen Naturpark liegt und in der sich die Ursprünge der Insel erkennen lassen. Die beeindruckende aus dem 15. Jahrhundert stammende Kirche Nuestra Señora de la Concepción war ursprünglich als Wehrbau konzipiert. Auffällig ist die durch helle Vulkansteine betonte Fassade im Renaissancestil.
Während Santa María, so wie sie von den Einheimischen kurz genannt wird, in ihrer äußeren Erscheinung eher schlicht und zurückhaltend wirkt, ist ihr Raumeindruck innen überwältigend. Durch die hohen Arkaden zwischen Mittelschiff und Seitenschiffen erhält Nuestra Señora de la Concepcion einen leichten, luftigen Hallencharakter. Schmuckstück ist der barocke, üppig mit Schnitzwerk, Ornamenten und Farben verzierte Hochaltar aus dem Jahre 1684.
Unweit der Kirche gelegen befindet sich das älteste erhaltene Gebäude der gesamten Kanaren. Das Bürgerhaus Casa Santa María stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und beherbergt neben einem Restaurant ein Museum für traditionelle Webtechnik.
Ebenfalls an der Westküste – auf dem Berg Tegu zwischen Betancuria und dem Valle de Santa Inés gelegen – zeigt sich das 1997 nach den Plänen des kanarischen Architekten César Manrique (1919 – 1992) erbaute Aussichtsrestaurant Mirador de Morro Velosa im Stil eines kanarischen Herrenhauses. Es verfügt über eine breite Treppe, die auf eine Veranda und weiter in einen Raum führt, der mit großen Fensterscheiben ausgestattet ist und in einer Höhe von 645 m ein sagenhaftes Panorama der umliegenden Landschaft bietet.
In der Nähe liegt die Stadt Antigua mit ihrer bemerkenswerten von Palmen und Lorbeerbäumen eingerahmten Pfarrkirche Nuestra Señora de la Antigua. Die schlicht weiße Kirche mit dem rötlich eingefassten Rundportal stammt aus dem 18. Jahrhundert. Da Glocken auf Fuerteventura ausschließlich in offenen Glockentürmen hängen, ist der rechts angegliederte Glockenturm mit der maurischen Kuppel an der Spitze eine Besonderheit der Insel.
Hinter der Kirche Nuestra Señora de la Antigua beweist eine sehenswerte, prunkvolle, mintfarbene Jugendstilvilla mit weiß gestrichener Fassadeneinrahmung den einstigen Wohlstand der Stadt Antigua im 19. Jahrhundert.
Südlich der Stadt gelegen zeigt das Centro de los Molinos in Tiscamanita mehrere Ausstellungsräume, in denen die Arbeitsweise der für Fuerteventura berühmten, verschiedenen Mühlentypen – den ‚Molinos‘ – erläutert werden. Die genaue Funktionsweise der ‚weiblichen‘ Molina und der ‚männlichen‘ Molino können vor Ort anhand von Ingenieurzeichnungen nachvollzogen werden.
Eine architektonische Besonderheit der Insel offenbart sich in Las Playitas an der Ostküste, nördlich von Gran Tarajal gelegen. Dort befindet sich der Faro Punta de la Entallada, ein Leuchtturm auf 185 m hohen Felsen über dem Meer, in dessen weiße Putzfassade schwarze Basaltsteine eingelassen sind und dessen Gebäudekanten aus rotem Vulkangestein herausstechen.
Der Leuchtturm besteht insgesamt aus fünf Baukörpern; auf dem sich im Zentrum befindlichen Baukörper befindet sich eine große, aus den 20er-Jahren erhaltene, verglaste Laterne auf der Spitze, die dem Gebäude einen kuriosen Ausdruck verleiht.
An der Südspitze der Insel befindet sich ein Juwel der Insel: Das kleine, einstige Fischerdorf Morro Jable, dessen alter Ort noch immer intakt ist.
Prägend für das Stadtbild sind die inzwischen restaurierten, weißen zwei- und dreistöckigen Fischerhäuser, die einen faszinierenden, eigenen Charme besitzen. Die kleinen, gemütlichen Restaurants an der Strandpromenade verhindern, dass Moro Jable als verschlafenes Nest deklariert werden könnte und sorgen für eine lebendige und dennoch entspannte Atmosphäre.
Besonders sehenswert ist das in den Hügeln gelegene Villenviertel des kleinen Ortes, das über eine Treppe vom Strand zu erreichen ist.
Von diesem Punkt aus hat man einen herrlichen Blick über die abknickende Küste und kann das Phänomen beobachten, dass sowohl Sonnenaufgang an der Ostküste als auch Sonnenuntergang an der Westküste gesehen werden kann.
Oftmals als schroff und karg verkannt, ist Fuerteventura dagegen vielmehr die schwarze Schöne mit den sanft goldenen Küsten und einer beeindruckenden Vielfalt an kulturellem Reichtum und architektonischen Perlen.

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