Entwicklungen im modernen Holzbau: Innovation trifft Nachhaltigkeit

0
117

Wenn das Wort „Holzbau“ fällt, fühlen viele Leute sich in den hohen Norden ins tiefste Skandinavien versetzt und sehen vor ihrem inneren Auge viele bunte kleine „Schwedenhäuschen“ aus Holz an romantischen Fjorden vor sich, die dem rauen Wind und Wetter trotzen. Vielleicht denken Sie aber auch an die wuchtigen Blockhütten aus massiven Holzstämmen in den Wäldern von Kanada, die ein wenig rustikal wirken. Doch „Holzbau“ ist viel mehr als das.

Der moderne Holzbau kann sehr vielfältig sein. Angefangen vom Blockhaus über den Holzrahmenbau bis hin zur Fassadenverkleidung mit Holzschalungen dürfte für jeden Geschmack etwas zu finden sein. Vorausgesetzt man mag den Werkstoff Holz.
Schaut man sich das Baumaterial „Holz“ im Vergleich zum klassischen Massivbau aus Kalksandstein einmal etwas genauer an, so stellt man fest, dass Holz nicht nur eine sehr lange Tradition als Baumaterial hat, sondern auch sehr vielfältige Einsatzmöglichkeiten und weitere Vorteile für das Raumklima bietet. Auch das etwas angestaubte Image dürfte in Anbetracht von bereits realisierten hochmodernen Wohn- und Geschäftsobjekten der Vergangenheit angehören. Modern ausgeführte Lärchenholzschalungen, die geradlinig mit einer Schattenfuge auf einer Konterlattung montiert sind, unterstreichen deutlich die kubistische Architektur im Bauhausstil und setzten gekonnt die einzelnen Baukörper in Szene. Doch eine Holzfassade ist noch lange kein Holzbau. Als moderner Holzbau lässt sich vielmehr der Holzrahmenbau bezeichnen. Durch die Verwendung eines Holzständerwerkes, welches in den Ständerzwischenräumen ausgedämmt und anschließend beidseitig beplankt wird, ist der Gestaltungsfreiheit keine Grenze mehr gesetzt. Sowohl die Fassadengestaltung, als auch der Innenausbau sind völlig frei. Der Holzrahmenbau stellt lediglich das notwendige Tragwerk. Wer also glaubt mit einem Holzrahmenbau sei man auf das Aussehen der Fassade wie bei der Villa Kunterbunt beschränkt, der irrt. Neben dem klassischen münsterländischen Klinker, dem Ruhrgebiets-typischen Außenputz, den traditionellen Schieferverkleidungen aus der Eifel oder gar die hochmoderne Zinkverkleidung. Alles und nichts ist möglich.
Die klassische Herstellung der Ziegelbauweise, wo vor Ort auf der Baustelle noch Stein auf Stein vermörtelt wird, wird abgelöst durch eine hohe Vorfertigung einzelner Holzelemente im Holzwerk. So kann ein gesamtes Gebäude im Werk mit einzelnen Wandelementen vorproduziert und anschließend bei gutem Wetter wie ein Puzzle auf der Baustelle in einem Tag montiert werden. Vorausgesetzt den Plänen liegt eine gute Ausführungsplanung zugrunde, bietet diese Methode durchaus viele Vorteile. So kommt der Holzrahmenbau ohne nennenswerte Baufeuchte aus. Auch der Einsatz von ökologischen Dämmstoffen ist durch die Vorfertigung im Werk deutlich einfacher zu koordinieren. Schädliche Wettereinflüsse wie Regen oder Schnee können im Werk hundertprozentig ausgeschlossen werden. Leider hat der Holzrahmenbau durch einige schwarze Schafe in der „Fertighausbranche“ auf Grund von nachlässiger Planung und unsachgemäßer Ausführung einen schalen Beigeschmack bekommen. Doch das ist eher die Ausnahme statt der Regel und hängt nicht zwangsläufig mit der Bauweise zusammen. Dieselben schwarzen Schafe produzieren beizeiten mit ihren Kataloghäusern auch im Massivbau groben Unfug. Die Krux liegt da wohl eher in dem windigen Geschäftsgebaren und dem Irrsinn ein Haus aus dem Katalog kaufen zu wollen. Doch das ist eine andere Geschichte…
Die Baubiologie und Bauökologie ist ein weiterer großer Vorteil des Baustoffes Holz. Holz ist Bestandteil der Natur und demnach ohne eine Vorbehandlung grundsätzlich unschädlich für den Menschen. Im Gegenteil: Holz als naturbelassener Werkstoff trägt durch seine bauphysikalischen Eigenschaften hervorragend zu einem guten Raumklima bei. Im Zeitalter, wo fast jeder Zweite unter allergischen Reaktionen und Kontaktallergien leidet, ist ein behagliches Raumklima mit einem ausgewogenen Verhältnis der Luftfeuchte schon ein guter Anfang. Verbindet man dieses noch mit zusätzlichen ökologischen und nachhaltigen Baustoffen, wie beispielsweise einem Lehmputz oder einer Zellulosedämmung wird nicht nur das Raumklima optimiert, sondern neben dem winterlichen Wärmeschutz auch der sommerliche Wärmeschutz deutlich besser erfüllt. Das liegt an der höheren spezifischen Wärmekapazität, die angibt, wie viel Energie notwendig ist, um den Baustoff zu erwärmen. Je höher die spezifische Wärmekapazität ist, desto träger ist der Baustoff.
Zur Zeit werden auf dem Markt alte natürliche Dämmstoffe wieder entdeckt. So findet man beispielsweise eine durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) zugelassen Einblasdämmung aus einem Gemisch von Hobelspänen, Lehm und Wasser, die mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,045 W/mK durchaus eine Alternative zu den herkömmlichen Dämmstoffen bieten kann.
Ein großer Nachteil von Holz ist die weniger resistente Wetterfestigkeit. Unbehandeltes Holz bekommt mit der Zeit eine sogenannte „Patina“, die sowohl die ursprüngliche Farbe, als auch die Beschaffenheit langsam und beständig verändert. Je nach Wettereinfluss kann das schneller oder langsamer vonstatten gehen, so dass nach ein paar Jahren bei einem Gebäude mit Holzfassade alle Fassadenseiten durch unterschiedliche Bewitterung eine unterschiedlich ausgeprägte Patina aufweisen. Da hilft zunächst nur regelmäßige Pflege und Streichen. Doch auch hierfür bietet die Industrie bereits neue Technologien an. Neben den aus dem Terrassenbau bereits bekannten Holz – Kunstoff – Verbundwerkstoffen, z.B. WPC oder ähnliche, kann auch natürliches Holz durch eine thermische Behandlung länger haltbar gemacht werden. Dabei wird mit hohen Temperaturen (170°C bis 230°C) der Zellaufbau des Holzes so verändert, dass die Feuchteaufnahme des Holzes maßgeblich verringert wird. Dadurch wird Pilzen und anderen Schädlingen der Nährboden entzogen. Doch das Holz verliert durch die thermische Behandlung leider auch an Festigkeit und wird spröde, so dass ein Einsatz von thermobehandeltem Holz bisher als tragfähiges Konstruktionsholz noch nicht möglich ist.
Nichtsdestotrotz zeigt sich, dass auch ein altbewährter und traditioneller Baustoff wie das Holz sich ständig im Wandel der Zeit befindet. Durch zusätzliche Behandlungen und Forschung der Industrie ergeben sich immer neue Einsatzmöglichkeiten. Auch nimmt die Verwendung von holzartigen Pflanzen immer weiter zu. So ist der Bambus eigentlich eher ein Gras als ein Baum. Trotzdem ist sein Holz mittlerweile in vielfältigen Einsatzbereichen sehr beliebt.
Schlussendlich lässt sich sagen, dass Bauen mit Holz und Holzwerkstoffen nicht mehr nur alleine das langweilige Öko – Image bedient, sondern der Baustoff „Holz“ zu einem innovativen und modernen Gestaltungselement geworden ist. Wenn dieser Baustoff dann auch noch ökologisch unbedenklich ist und zusätzlich unser Wohlbefinden erhöht, kann es besser doch eigentlich gar nicht mehr sein?!
Autorin: Dipl.-Ing. (FH) Arch. Sarah Zietek