Urbanität der Bleiche Schaffhausen

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Das Entwurfskonzept organisierte das verlangte Bauvolumen als fünf Gebäude über der gemeinsamen Substruktion einer Parkierungshalle um einen Platz. Auf diesem verzweigen sich alle Wege vom Bahnhof her ins Tal, auf den Berg, in die Wohnviertel. Als Neustadt sollte sie ein Echo der alten Stadt darstellen, und darum mit deren Gassen durch die Fussgängerpassage verbunden sein, in ihrer Struktur die urbane Flächenökonomie unter heutigen Bedingungen fortsetzen und gestalterisch den Spielregeln des alten städtischen Bauens folgen und die Vielfalt ihrer Erscheinung aus einer beschränkten Anzahl von Elementen erzeugen.

Im Juli 2014 begann der neue Stadtteil sichtbar zu werden. Während sich das alte Schaffhausen noch vor der Bahn versteckte, öffnet sich der neue Stadtteil und zeigt sich an jener Fernbahnlinie durch die europäische Stadtlandschaft von Stuttgart bis Mailand. Markanter Auftakt ist der Hotelbau, danach fällt der Blick in die Tiefe der Anlage über den neuen Platz hinweg. Dorthin gelangt man durch die Passage und über die Rampe hinauf, und taucht zwischen den Häusern auf. Ihre Fassaden sind alle über einem durchlaufenden Horizont der Sockel aus weissen Fensterelementen komponiert, die in zwei Proportionen zu je drei Anschlagsarten vorkommen. Ihre freie Verteilung überspielt erst einmal die Unterschiede zwischen Büros und Wohnungen oder Hotelzimmer, lässt ihre Nutzungsspezifik zugunsten ihres urbanen Zusammenspiels zurücktreten. Die Baukörper sind zudem in einem warmen grauen Ton verputzt, der dem Sandstein des alten Bahnhofgebäudes abgenommen ist und damit diesem die Referenz erweist, am Anfang zu stehen. Alle umfliesst der Platz, er fasst sie zusammen und läuft als schräge Ebene bergauf, bis er sich zwischen grünen Büschen und Bäumen verliert. Von seiner Mitte aus, sogut wie aus den Obergeschossen, werden die Ausblicke auf die umliegende Stadt von Neubauten gerahmt, ob nun über die rotbraunen Dächer der Altstadt auf den Munot, der als Wehrturm und Wahrzeichen über der Stadt sitzt, oder bergauf zur Berufsschule, die dessen neueres Gegenstück darstellt, oder quer ins weitere Gelände, auf die klassizistischen Einzelbauten der älteren Vorstadt. Diese Bilder überlagern und verdichten sich zum Eindruck, dass die Neustadt auf der Bleiche keine Kulisse oder Imitation ist, sondern eine Erweiterung der erfahrbaren Urbanität.

Container-Architektur

Von universellen Boxen zu Unikaten

Ihre Optik dominiert Verladeterminals großer Häfen rund um den Globus: Schmucklose Stahl-Boxen, quaderförmige Kuben mit gewelltem Profil, stehen hier gestapelt in Reih und Glied. Als streng geometrisch konzipierte Räume, ISO-normiert im Format, tragen Container seit ihrer Erfindung durch Malcom McLean im Jahr 1956 einer ökonomisierten Logistik Rechnung. Längst mehr als nur Universalgebilde für Lagerung und Transport von Fracht haben sie Eingang in die Architektur gefunden. Nicht nur durch die hohe Stabilität ihrer simplen Stahlkonstruktion mit tragenden Wänden, auch durch kosteneffiziente Möglichkeiten, sie als modulare Bauelemente spezifischen quantitativen sowie ortsbezogenen Raumanforderungen anpassen zu können, dienen Container neuartigen Konzepten mit einer meist temporären Nutzung in den Bereichen Wohnen und Arbeiten – variabel befüllbare Orte, changierend zwischen Kunst und Kommerz.

Ob seines rauen Erscheinungsbildes avanciert zum Objekt mit Kultstatus, ist es der Transfer seiner Idee auf architektonische Lösungen, einhergehend mit assoziativer Aufladung, der den Container nicht erst seit heute baugeschichtlich zu einem Experimentalfeld macht. Bereits in den 1920er Jahren herrscht, inspiriert von Ozeandampfern, die Forderung nach derart flexiblen, da additiven, stapelbaren und strukturell freiheitlichen Raummodulen: Die seriell produzierbare „cellule commande“ mit einer Grundfläche von 15 Quadratmetern als Derivat einer Schiffskabine, von Le Corbusier konzipiert für die Unité d’Habitation (Marseille, 1947-52) im Glauben an die „Unfehlbarkeit des Kubus“, sollte – als Prototyp für das moderne Haus symbolisch – ebenso wie zeitgenössische Projekte dieser Art sozialen Bedürfnissen innerhalb des demografischen Wandels gerecht werden. Eine solche Idealisierung von Typen und Normen, wie William J.R. Curtis artikuliert, mag als Pioniergedanke auch für die Container-Architektur gelten, zahlt doch die damals bereits intendierte Loslösung des Raumes von dem Skelettrahmen – Le Corbusier definierte seine Wohnzellen als in ein Regal einschiebbare Flaschen – auf das immanente Postulat des modernen Nomadentums nach Mobilität, erinnernd an Archigrams Walking City (1964), ein. Der visionäre Entwurf der italienischen Architekten Luca d’Amico und Luca Tesio scheint dies zu bestätigen. Ihr Nomad Skyscraper (2011) zeigt sich als Rahmenkonstruktion für einsteckbare Frachtcontainer. Plattformen innerhalb des regelmäßigen Stahlrasters dienen zwischen den mobilen Behausungen nicht nur als standarisiertes Tragwerk, sondern bieten als Stellvertreter eines urbanen Gefüges Raum für gesellschaftlichen Austausch.

Eine Weiterentwicklung findet das Konzept bei OVA Studio: Statt Container zur Wohnnutzung beherbergt das für Hong Kong entworfene Hive-Inn (2014) Hotelzimmer und ein auf Nachfrage reagierendes austauschbares kommerzielles Angebot. Doch als Renaissance einer architektonischen Moderne scheinen derartige Projekte vorerst Zukunftsvisionen zu bleiben. Denn obschon sich die Baukunst mit Containern grundsätzlich durch ihr Potenzial an Ortsungebundenheit als Gegenpol zum traditionellen Bauen definiert, funktioniert die Transformation zu Architektur, gerade durch eine Zweckentfremdung: Als mobil intendierte Objekte werden erst durch eine – wenn auch zeitbegrenzte – Verortung sowie durch raumdurchdringende Interaktionen von Innen und Außen zu Immobilien. Auch wenn die Homebox (2009) von Han Slawik an jedwedem Ort der Welt aufgestellt werden könnte, versteht sie sich weniger als Massenprodukt, denn als Solitär. Schroffer Stahl weicht hier der wohnlichen Holzästhetik der Fassade. Vertikal gestellt verfügt die Wohnbox, ähnlich einem kleinen Haus, über drei gleich hohe Geschosse, deren zoniertes Mehrraumsystem funktional im Hinblick auf eine zunehmende Privatsphäre ausgerichtet ist: So befinden sich Versorgungseinheiten parterre, über einen Schlafbereich ist der Aufenthaltsraum mit Ausblick zugänglich. Unter der Prämisse lediglich temporär bewohnbar zu sein, kann das Projekt als Notunterkunft oder als ‚mobile home’ für Events eingesetzt werden.

Aus einer Kombination von industriellen und traditionellen Materialien mit dem Ziel der Repräsentabilität dagegen resultiert das Redondo Beach House (2007). Aus recycelten Containern, überdimensionalen Toren, Acrylglas sowie Sperrholz entwarfen DeMaria Design Associates ein Hybrid, das Architektur zwar als Low-Budget-Produkt, dennoch aber als vollkommen ausgestattetes und nachhaltiges Wohnsystem an einem etabliertem Standort versteht. Definiert sich in solchen Projekten die Integration von Containern als Symbol für Leben und Wohnen in einer globalisierten, von Dynamik geprägten Zeit, fungieren die Frachtboxen in ihrer Koppelung zu größeren Raumzusammenhängen aus statischen Gründen als ein nur noch zufällig transformiertes Wohnmodul. Offenen, weil individuell angefertigten Systemen stehen geschlossene gegenüber. Obschon auch hier gestalterische Ziele im Fokus stehen, bleiben Reminiszenzen an die ikonische Charakteristika weitaus mehr evident. So macht ein geringer Kostenaufwand von etwa 2500 Euro pro Container sowie einfaches Auf- und Abbauen die Verwendung von Standard-Modulen bei repräsentativen Bauten mit kommerzieller Nutzung attraktiv. Eine strukturelle Spiegelung liegt der Idee für die Puma City (2008) des New Yorker Büros LOT-EK zugrunde: 24 Frachtcontainer, auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern zusammengestellt zu einem überdimensionalen, dreigeschossigen Block, zeigen sich durch horizontales Auseinanderziehen der Einzelmodule in ingeniös versetzter Positionierung. Außenräume bilden sich im Inneren, schwebende Überhänge und großzügige Terrassen verleihen dem einstigen Stahlkoloss paradoxerweise ein hohes Maß an Transparenz. Ein Statement, das sich nicht zuletzt im fragmentierten Corporate Branding widerspiegelt. Äußerlich klar in Struktur eröffnen sich im Inneren die Kastenform konterkarierende Modifikationen. So beherbergt der Komplex auf unterer Ebene zwei Verkaufsräume mit einer Breite von vier Containern, deren Volumina jeweils zwei Geschosshöhen einnehmen. Um sie herum bietet das komplett demontierbare und transportable Bauwerk Raum für Büros, Lager sowie eine Location für Veranstaltungen. Weitaus archaischer zeigt sich die Platoon Kunsthalle (2009) in Seoul. Ein gigantischer Kubus, zusammengefügt aus 28 recycelten Iso-Containern, bildet eine robuste Hülle für innen stattfindende Kunst- und Kulturveranstaltungen. So schroff das Gebilde durch seine authentische Verfassung wirken mag – viel Licht dringt durch die gläserne, statisch anmutende Rasterfassade in die Räume, dessen Gips- und Aluminiumauskleidungen Helligkeit reflektieren und somit Einblicke ins dynamische Innere zulassen.

Container-Architektur setzt auf Inszenierungen, auf ein Spiel mit Verfremdungen und Überraschungseffekten – selbst, wenn es sich lediglich um Nachbauten im Sinne eines rein ästhetischen Zitats zur Aufwertung architektonischen Ausdrucks handelt: Ein Dialog – interagierend zwischen heterogenen Formen –, ein artifizieller Kontrast zwischen Bestehendem und Neuartigem gelingt JDS Architects und der Bjarke Ingels Group: Rohe Industriearchitektur trifft bei dem Kopenhagener Jugendzentrum Sjakket (2007) auf eine im wörtlichen Sinne verrückter Behälter. Schräg aufgesetzt auf das zweifach gewölbte Dach einer alten Fabrik schlägt der schlanke Block eine visuelle Brücke zu dem benachbarten Hafen – so öffnet sich der Trakt aus rotem Wellblech zu einer Seite, eine verstrebte, raumhohe Glasfassade gibt den Blick frei auf die sockelartigen Dächer, dessen sich nach außen wölbende Bullaugen Sichtbeziehungen zur innenliegenden Sporthalle ermöglichen. 

Ob als überdachte Brücke (Hoorn Bridge, 1990, Luc Deleu) im Rialto-Stil, metaphorisch den Hamburger Hafen spiegelnde Außenhaut des Cruise Centers (Renner Hainke Wirth, 2004) oder installiertes Ensembleobjekt zum Zweck künstlerisch orientierten Imagetransfers wie am Theaterhaus Stuttgart (Plus+ Bauplanung, 2003) – der Spielraum für Experimente mit globalisierten Frachtboxen ist nahezu grenzenlos. Wie in einem Modellbaukasten scheinen Module zu stets neuen Gesichtern formbar zu sein, so als beschrieben die Unikate das Facettenreichtum der weiten Welt. Durch ökonomische Vorteile, als Antwort auf den steigenden Bedarf an flexiblem, kurzfristig verfügbarem Raum, mag Container-Projekten in funktionaler Hinsicht ein Entwicklungspotenzial innewohnen. Mit Blick auf den Fortbestand von Städten, auf deren Lebendigkeit durch architektonische Pluralität, jedoch bergen die mitunter kargen Stapel Risiken hinsichtlich Anonymisierung und ästhetischer Monotonie. Will Container-Architektur als Reaktion auf alle entscheidenden Fragen der Zukunft verstanden werden, muss sie sich eine kontroverse Diskussion um universelle Einheitlichkeit versus Streben nach Individualität gefallen lassen.

Autorin: Laura Stillers, B.A.

Die Architektur im Blut – Erfolgsrezept Böhm

Der für seine skulptural, puristischen Bauten aus Beton, Stahl und Glas bekannte Kölner Architekt Gottfried Böhm feierte am 23. Januar diesen Jahres seinen 95. Geburtstag. Gefeiert wurde dieser Tag nicht etwa im Kreise der Familie, sondern mit einer großen Premierenfeier des Kinofilms „Die Böhms – Architektur einer Familie“ im Kölner Weißhauskino.

Gottfried BöhmZum Anfang des Jahres bekam ich die Gelegenheit einen der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts kennen zu lernen – Gottfried Böhm. Das Interview fand im Zentrum der böhmschen Kreativität statt – im von Großvater Dominikus Böhm erbauten Wohnhaus, welches den Kölner Architekten heute als Büro dient. In der Fensternische eines Konferenzraumes, mit Blick auf den Garten, sitzt Gottfried Böhm in seinem Korbstuhl. Nach einer freundlichen Begrüßung nehme auch ich Platz. „Könnte ich dies noch kurz zu Ende lesen?“, werde ich gebeten. Erst jetzt sehe ich den großen Stapel Geburtstagskarten vor dem Architekten auf dem Tisch liegen. Im gesamten Raum finden sich architektonische, aber auch künstlerische Zeichnungen, Modelle und Figuren. Auch die von Gottfried Böhm angefertigte Büste seines Vaters, Dominikus Böhm, wird hier ausgestellt. Auf der Fensterbank, direkt neben dem Architekten, steht ein Bild seiner 2012 verstorbenen Frau.

 Gottfried Böhm, Sohn des für seine Sakralbauten bekannten Architekten Dominikus Böhm, begann seine Ausbildung mit einem Studium der Bildhauerei. „Ich hatte natürlich großen Respekt vor der Arbeit meines Vaters.“, erzählt er. Erst etwas später fasste er den Entschluss in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und begann zusätzlich mit einem Architekturstudium an der TU München. Dort lernte er seine zukünftige Frau, Elisabeth Böhm, kennen. 1947 verhalf ihm sein Vater zu seinem ersten Projekt, dem Bau der Kapelle „Madonna in den Trümmern“ der zerstörten Kirche St. Kolumba in Köln. Bis heute gehört dieses Projekt zu den Lieblingsprojekten Gottfried Böhms. „Mein Vater hat mir immer sehr viel geholfen und ich hoffe natürlich, dass ich für meine Kinder eine genauso große Stütze war.“ Im durch den zweiten Weltkrieg völlig zerstörten Rheinland konnte der junge Architekt seine Begeisterung für die sakrale Bauweise ausleben. Es folgten viele weitere Projekte auch über die Grenzen des Rheinlandes hinweg.

Zu seinen bekanntesten Projekten gehört die Wallfahrtskirche Maria, Königin des Friedens in Velbert-Neviges, obwohl der junge Architekt den ausgeschriebenen Wettbewerb gar nicht gewann. Dem damaligen Kardinal Frings ist es zu verdanken, da dieser auf Grund seiner eingeschränkten Sehfähigkeit die Modelle abtastete. Der Böhmsche Entwurf sagte ihm dabei so sehr zu, dass ein neuer Wettbewerb mit neuen Vorgaben ausgeschrieben wurde. Bei diesem dann belegte Gottfried Böhm den ersten Platz. Für diesen Bau und das zeitnah entstandene Bensberger Rathaus erhielt Böhm 1967 und 1968 seine ersten Architekturauszeichnungen. Die größte Ehrung seiner Arbeit wurde dem Architekten 1986 in London zu Teil, als er als erster deutscher Architekt den Pritzker-Preis verliehen bekam. Auf meine Frage, was ihm dieser Preis bedeute, antwortete Herr Böhm ganz kurz: „Ich habe mich gefreut.“, und erzählt daraufhin lächelnd wie seine Frau während seiner Dankesrede (auf Englisch) den Saal verließ. Ob vor Rührung, oder auf Grund der etwas holprigen englischen Ansprache ihres Mannes, lässt Gottfried Böhm offen.

Auch Elisabeth Böhm war Architektin, doch um sich um die Kinder zu kümmern und den Ehemann zu unterstützen stellt sie ihre Karriere hinten an. Sie stärke ihrem Mann zu jeder Zeit den Rücken und kümmerte sich hingebungsvoll um die vier Söhne. Ohne sie, wäre eine solche Karriere für ihn gar nicht möglich gewesen versichert mir Gottfried Böhm. „Sie hat leider nicht viel gebaut, aber ihre Projekte waren immer sehr schön, besonders ihre Wohnung in Paris.“ betont Gottfried Böhm. Elisabeth Böhm verstarb 2012 noch während der Dreharbeiten des Films über die Familie. Gerade deshalb ist der Film zu etwas ganz besonderem für den Architekten geworden, „Der Film gefällt mir sehr gut. Am besten finde ich natürlich, dass meine Frau darin zu sehen ist.“ .

Die kreativen Gene der Eltern wurden auch an die Kinder weitergegeben. Drei der vier Böhm Söhne, Stephan, Paul und Peter, wurden ebenfalls Architekten, der vierte Sohn, Markus, wurde Künstler. Alle drei Architektensöhne arbeiteten mit dem Vater im Büro und auch Markus Böhm verewigte sich bereits mehrmals in verschiedenen Gebäuden seines Vaters, erzählt Gottfried Böhm stolz. „Ich finde es schade, dass Markus nicht auch in dem Film vorkommt. Sie haben sich leider nur für die Architekten interessiert.“ Gottfried Böhm ist stolz auf sein Werk und auf das was seine Söhne weiterführen. Gemeinsam arbeiten die Böhms im Hause des Großvaters, jedoch leitet jeder der Architektensöhne heute sein eigenes Büro. Oft wird auch der Vater noch zu Rate gezogen, denn selbst im wohlverdienten Ruhestand lässt der kreative Schaffensdrang Gottfried Böhms nicht nach. Im Film ist zu sehen, wie der Architekt mit über 90 Jahren Städtevisionen auf Papier zeichnet, die junge Architekten ins Staunen versetzen. Zuletzt entwarf das Oberhaupt der böhmschen Familie das Hans Otto Theater in Potsdam, welches 2006 fertiggestellt wurde. Die Böhms, haben bereits jetzt erfolgreiche Architekturgeschichte in dritter Generation geschrieben und die Geschichte scheint weiter zu gehen, denn es hat bereits der nächste Böhm sein Architekturstudium begonnen.

„Die Böhms – Architektur einer Familie“ Am 23. Januar feierte der Dokumentarfilm über die Kölner Architektenfamilie im Kölner Weißhaustheater seine Premiere. Am gleichen Tag feierte auch das Oberhaupt der Familie, Gottfried Böhm, seinen 95. Geburtstag. Dementsprechend groß war das Interesse an der Premiere. Regisseur Mauritius Staerkle-Drux, ein Freund der Familie, verbrachte insgesamt zwei Jahre in Köln bei den Architekten und filmte sie während Ihres Alltags. Der Film dokumentiert das Leben einer Architektenfamilie, die sich bald über vier Generationen erstreckt. Im Mittelpunkt des Films steht Gottfried Böhm mit seiner Weltanschauung und Architektur. Auch die Söhne kommen zu Wort, doch nur schwer lässt sich ein Gesamtbild der Familie bilden. Schon seit langem sind auch die Söhne des Pritzker-Preisträgers sehr erfolgreich, doch es scheint nicht immer ganz einfach gewesen zu sein mit dem berühmten Vater und der Konkurrenz innerhalb der Familie. Ein großer Einschnitt für die ganze Familie ist der Tod von Elisabeth Böhm. Als Frau und Mutter war sie Dreh- und Angelpunkt der Familie und hinterlässt eine merkliche Lücke.

Gottfried Böhm entwickelte im Laufe seiner Karriere einen eigenen Baustil, welcher auch in den Projekten seiner Söhne zu erkennen ist. Manche seiner Bauten werden dem Expressionismus, mache dem Brutalismus zugeordnet, doch die Böhmsche Handschrift ist stets unverkennbar. Zu Recht kann man behaupten, die Böhms haben Architektur im Blut.

Vielen Dank, Herr Böhm, für das inspirierende Gespräch.

Autorin: Anika Beer B.A. Architektur

Schwedenkombi mit vielen Talenten

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Die großen Kombis der Schweden sind so etwas wie die Meister im Understatement – komfortabel, technisch hoch gerüstet und kräftig motorisiert. Äußerlich geben sie den freundlichen Familienkombi. Das gilt letztlich auch für die Landlust-Version des V70, den optisch mit einigen Gelände-Gimmicks aufgerüsteten XC70. Dazu zählen schützende Beplankungen an Schwellern und Radkästen sowie ein angedeuteter Unterfahrschutz an Front und Heck. Zudem liegt die Karosserie gegenüber dem normalen V70 um einige Zentimeter höher. Das reicht für eine Prise optischer Abenteuerlust, ohne dass der Schwede mehr Offroad-Fähigkeiten vorgeben würde als er eigentlich bietet. Hohe Sitzposition, viel Platz und ein sicheres Gefühl – die Gründe für den Kauf eines SUV sind zumindest teilweise rational. Vom V70 unterscheiden den XC70 unter anderem die Schutzplanken an der Seite. Das komplett neu entwickelte Kraftpaket kann wahrlich überzeugen. Vor allem bei Laufkultur und Geräuschentwicklung darf gestaunt werden, denn dass hier ein Vierzylinder-Selbstzünder an der Arbeit ist, ist selbst bei geöffnetem Fenster kaum zu merken. Kraft ist genug vorhanden, und zwar über ein sehr breites Drehzahlband. Der Volvo lässt sich entspannt knapp über Leerlaufmodus bis in den 5.000er-Bereich bewegen. Die neuen Motoren basieren auf einem gemeinsamen Block, egal ob es sich um Benziner oder Diesel handelt. Gemeinsam sind auch der Zylinderabstand, die Bohrung und der Hub. Hinzu gesellen sich Gleichteile wie Kurbelwelle, Ölwanne und Lichtmaschine. Das spart Kosten in der Produktion, ebenso die Straffung der Getriebeauswahl auf eine manuelle Box mit sechs Gängen und eine Automatik mit acht Gängen. Die ist präzise und stimmig übersetzt. Der XC70 verzichtet während der Fahrt auf übertriebene Dynamik und federt sanft auch über schlechte Straßen. Das gelingt ihm, ohne behäbig zu wirken. Die zwei Tonnen Leergewicht spürt man allenfalls bei schnellen Richtungswechseln. Die dürften aber selten sein, wenn sich der Fahrer dem Charakter des Volvo anpasst. Passend zum souverän-entspannten Antrieb gibt sich das Ambiente im Innenraum. Der Fahrer sitzt leicht erhaben, was einen rückenfreundlichen Einstieg garantiert. Der Arbeitsplatz ist edel und skandinavisch kühl eingerichtet. Das Lifting hebt den Innenraum auf ein Niveau, das sich auch vor den deutschen Premium-Wettbewerbern nicht verstecken muss. Besonderes Lob verdient der schicke Digitaltacho des XC70. Das vom Fahrer teilweise selbst gestaltbare Display (optional) wertet den Innenraum seit der Modellpflege deutlich auf. Anders als bei vielen moderneren Autos wird der Fahrer außerdem nicht durch eine übermäßig bullige Mittelkonsole eingezwängt. Und auch jenseits des Fahrer-Platzes leistet sich der Schwede keine Schwächen. Vorne wie hinten sitzt es sich luftig, die großen Fenster lassen viel Licht ein, das nur sanft abfallende Dach erhält den Köpfen der Fondpassagiere ausreichend viel Platz. Und in Sachen Gepäckraum zählt der Volvo auch zu den Größten. Wenn der XC70 schon bei Komfort, Sitzposition und Platzangebot mit den meisten SUV mithalten kann, gibt es beim subjektiven Sicherheitsempfinden schon gar keine Probleme. Das ganze Auto wirkt so massiv, dass man sich wenig Sorgen um das eigene Wohlergehen macht. Unterstützt wird das extreme Sicherheitsgefühl noch von einer ganzen Armada an aufmerksamen, aber selten aufdringlichen Sicherheitssystemen wie Totwinkel-Warner, Spurthaltehelfer und Notbremsassistent. Hervorragende Kopfstützen, sauber geführte Gurthalterungen und das serienmäßige Laderaumgitter zeigen zudem, dass die Entwickler der Schweden auf Details achten. Das tun sie auch beim Verbrauch. Weil der XC70 auf bullige Front und hochbauende Karosserie verzichtet, lässt er sich selbst bei ambitioniertem Reisetempo auf der Autobahn noch sparsam bewegen. Knapp 6,5 Liter werden dann pro 100 Kilometer durch die Common-Rail-Leitungen gepresst. Im Gesamtmix sind knapp sechs Liter drin. Die Volvo XC 70-Basisversion D4 ist bei 1.851 Kilogramm Leergewicht schon mit dem 2,4 Liter großen Fünfzylinder-Turbodiesel (163 PS) ausreichend motorisiert. Die Werksangabe liegt bei 10,2 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 200 km/h. Unterm Strich kann es der XC70 in den Kernkategorien mit jedem SUV aufnehmen.

Der Lademeister

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Mit dem Kombi hat Skoda jetzt die lang erwartete Karosserievariante des Superb im Programm. Für den Größten von Skoda gab es ein, wenn auch überschaubares, Facelift. Das Flaggschiff der Marke wird von Kunden in aller Welt geschätzt und das Blechkleid des Superb wurde nun im aktuellen Stil des Markenauftritts zurecht geschneidert, was dem Skoda Superb eine edlere Optik beschert. Vor allem die neuen Scheinwerfer gefallen gut. Bis zur A-Säule wurde die Front komplett neu gestaltet, was dem Kombi einen selbstbewussteren und hochwertigeren Auftritt bescheren soll. Außerdem wurde das Heck neu gezeichnet, um die Breite des Fahrzeugs besser zur Geltung zu bringen. Mit dem Superb kann man nun durchaus Eindruck schinden. Weniger umfangreich fallen die Änderungen unter dem neu geformten Blech aus, allerdings konnten die Ingenieure die Normverbrauchswerte um bis zu 19 Prozent reduzieren. Dabei helfen Rekuperation, rollwiderstandsreduzierte Reifen, Auto-Start-Stopp-Funktion und eine etwas längere Getriebe-Übersetzung für die manuellen Getriebe. Das Cockpit ist aufgeräumt und gut verarbeitet. Im Innenraum wurden die Oberflächenmaterialien aufgewertet. Das Infotainment-System ist geblieben. Die Verarbeitung stimmt, vor allem in der Ausstattung L&K (Laurin und Klement) kommt dank Xenon, beheizten Ledersitzen sowie getönten Scheiben, einem Sound-System mit zehn Lautsprechern und 18 Zoll-Felgen schon ein gewisses Flair von Businessklasse auf. Vor allem im Fond bietet der Skoda Superb nach wie vor konkurrenzlos viel Platz. Die kleinen Fußtritte liegen genau richtig, denn hier kann man die Beine ganz lang machen. Mit 633 bis 1.865 Liter Stauraum lässt er ohnehin fast alle Klassenkameraden deutlich hinter sich, denn hier passt wirklich fast alles rein. Die meisten Kunden erwarten von der Top-Baureihe aus Mlada Boleslav vor allem Komfort und den erhalten sie zur Genüge. Den Antrieb übernimmt eine eher ungewöhnliche Maschine: ein 2.0-Liter TSI-Benziner mit 200 PS. Die Gänge wechselt ein serienmäßiges 6-Gang-DSG automatisch. Der kräftige Benziner beschleunigt den 4,84 m langen Kombi in nur 7,9 Sekunden auf 100 km/h. Auf der Autobahn erreicht der Superb maximal 238 km/h, die dank langem Radstand, guter Geräuschdämmung und satter Straßenlage auch nicht anstrengen. Besonders punktet der Superb auf der Autobahn mit seinem 2,76 Meter langen Radstand, was ihm einen vorbildlichen Geradeauslauf beschert. Sein 6-Gang-DSG findet im Alltag schnell die richtige Übersetzung und verliert bei unerwarteten Anforderungen nicht gleich die Contenance. Wer nicht ständig voll beschleunigt, kommt ohne lästige Schubwechsel zügig voran. Bei zurückhaltender Fahrweise ist der Skoda sogar auffällig sparsam. Außerorts begnügt sich der 170-PS-Riese mit 4,7 Liter Diesel, bei Richtgeschwindigkeit (130 km/h) mit 5,5 Litern. Selbst Schnellfahrer müssen nicht über Gebühr büßen. Sportliche Fahrten im hügeligen Alpenland bescheren einen Verbrauch von etwas mehr als acht Litern, und selbst auf der freien Autobahn verbrennt der TSI selten mehr als neun Liter je 100 Kilometer. Der Gesamtschnitt beträgt sehr gute 6,3 Liter je 100 Kilometer. Hohe Geschwindigkeiten und lange Bodenwellen meistert er souverän. Keine Klagen gibt es auch beim Handling. Die Lenkung ist leichtgängig, aber genau; die Seitenneigung bleibt im Rahmen, und dem Grenzbereich nähert sich der große Familientransporter auf Nummer sicher: frühzeitig untersteuernd. Das Fahrwerk bietet einen Kompromiss zwischen Agilität und Komfort. Die insgesamt straffe Abstimmung ermöglicht dynamisches Fahren und ein agiles Kurvenhandling. Kleine Unebenheiten bügelt das Fahrzeug gut weg und liegt stets gut auf der Straße. Erst bei groben Fahrschnitzern muss das serienmäßige ESP unterstützend eingreifen. Festzuhalten bleibt: der Skoda Superb Kombi ist eher eine stille Größe. Unter dem fast fünf Meter langen Kleid steckt viel Passat- und Golf-VI-Technik, durch den Innenraum weht ein Hauch von Noblesse gepaart mit ausgezeichneter Qualität. In ihm fährt es sich routiniert und so ist dafür gesorgt, dass man sich ganz aufs Fahren konzentrieren kann. Der Skoda Superb ist ein sehr gelungenes Auto, dass in seiner Klasse keinen Vergleich scheuen muss. en. So muss Zukunft aussehen: praktisch und ökonomisch unterwegs sein und dabei leise durch die Straßen stromern.

Großstadt-Cowboy mit italienischem Charme

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Wer sagt, dass ein Jeep kantig und ruppig sein muss? Dass auch das Gegenteil überzeugen kann, beweist der neue Cherokee 2.0 4WD mit sanfter Schale und weichem Kern. Willkommen in der Moderne! Der neue Cherokee bringt alles mit, was ein SUV heute braucht und verzichtet dabei auf die klassische Härte. Er ist das Bindeglied zwischen Luxus- und Offroad-Klasse, denn Cherokee verbindet erstklassige technologische Features mit einzigartigem kraftvollem Design. Auch wenn sein Design mit den drei Leuchten-Ebenen und der keilförmigen Nase polarisiert, bleibt er auf seine Art einer gewissen Tradition treu. Nun ist er allerdings wieder rund statt kantig. Der neue Jeep Cherokee ist der erste Offroader des Hauses, der auf einer Fiat-Plattform aufbaut. Bei der Ausstattungsvariante Limited sind stets unter anderem eine Zweizonen-Klima-Automatik, Tempomat, uConnect-Mediacenter mit Touchscreen und Sprachsteuerung, Multifunktionslenkrad und 17-Zoll-Leichtmetallräder an Bord. Das maximale Drehmoment liegt bei 350 Newtonmeter. Das ordentlich eingeschenkte Drehmoment erlaubt eine schaltfaule Fahrweise, bei der auch mal der eine oder andere Gang übersprungen werden kann, denn eine Stufe höher zieht er immer noch ordentlich durch. Der 140-PS-Diesel ist ausschließlich mit einem sanft schaltenden 6-Gang-Handschaltgetriebe erhältlich. Den Sprint von Null auf hundert km/h meistert er in 12,3 Sekunden. Von technischer Seite aus ist er ein sehr gelungenes SUV, das völlig ausreichend motorisiert ist. Pluspunkte gibt es auch für die absolut gelungene Geräuschdämmung. Wind- und Abrollgeräusche werden ordentlich ausgeblendet, was den Jeep Cherokee zu einem insgesamt sehr leisen Auto macht. Bei 100 km/h ist er immer noch so leise, dass man das Klicken hört, wenn die Fahrlichtautomatik das Abblendlicht ein- oder ausschaltet. Auch der Federungskomfort liegt auf höchstem Niveau. Kurze Stöße oder lange Wellen kontert das Fahrwerk souverän aus. Die Lenkabstimmung beteiligt sich dabei, ist präzise und handlingfreundlich. Im Innenraum darf man sich über sauber verarbeitetes Leder und optisch hervorragend eingepasste Verkleidungen freuen. Die Sitze sind komfortabel und schmiegen sich angenehm mit streichelsanfter Oberfläche an den gestressten Bürorücken. Das Platzangebot fällt auf allen Plätzen großzügig aus. Die Fondsitzbank ist sogar längs einstellbar und mit neigungseinstellbaren Lehnen ausgestattet. Die asymmetrisch geteilte Rückbank lässt sich um 15 Zentimeter verschieben, um mehr Platz fürs Gepäck zu schaffen. Sitzt die Bank ganz hinten, beträgt das Kofferraumvolumen 417 Liter. Nach dem Umlegen der Lehnen entsteht ein nahezu ebener Laderaum. Das Kofferraumvolum steigt auf rund 1300 Liter. Der Navigations-Bildschirm in der Mittelkonsole ist vorbildlich groß. Nach alter Jeep-Tradition gibt es auch im Cherokee Allrad – zum Sprit sparen wird er an der Vorderachse entkoppelt. Das gab es so bisher noch nicht. Bei aller Weichheit hat der Jeep also nicht vergessen, dass er früher ein echter Geländewagen war. Deshalb der Allradantrieb, dessen Vorteile auf der Hand liegen: weniger Verschleiß und Verbrauch. Im Schnitt sind es sparsame 5,8 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Über einen Drehwähler stehen vier 4×4-Programme zur Wahl: Auto, Snow, Sport und Sand/Mud. Aber selbst als Allradler möchte der Cherokee nicht in erster Linie ein Kraxler sein, sondern ein möglichst vielseitiges Reise- und Alltagsauto, das sich mit angemessener Durchschlagskraft auch auf Schotterstraßen und im Wintersport-Einsatz sehr gut schlägt. Der Cherokee dürfte in seiner Klasse eines der geländegängigsten Angebote sein. Der Fokus dieses Autos liegt auf Alltagstauglichkeit, Straßen-Einsatz und Vielseitigkeit. Das dynamische Design, die kompakte, moderne Erscheinung und maßvolle Vierzylinder-Diesel machen ihn aus dem Stand zum Konkurrenten von anderen erfolgreichen Lifestyle-SUV. Mit serienmäßig vorwählbaren Fahrprogrammen ist er für so manchen Unfug zu haben. Auch bei hohem Tempo und auf langen Strecken benimmt er sich tadellos und liegt satt auf der Straße. Auch in Kurven benimmt er sich brav, zeigt wenig Seitenneigung und lässt sich kinderleicht dirigieren. Bremsen und Federung fügen sich in das gute Gesamtbild ein. Somit lässt sich der Cherokee insgesamt als gelungene Mischung aus amerikanischer Tradition und italienischem Flair bezeichnen.