Weg mit dem Dach! (BMW Mini One Cabrio)

Der Erfolg des Mini veranlasste BMW dazu, die Modellpalette um ein Cabrio zu erweitern. Mit 3,63 Meter Außenlänge als Ausgangsbasis verwundert diese Idee zunächst. Deshalb ist es umso erstaunlicher, was die Entwickler alles in die bescheidenen Abmessungen packen konnten. Das Mini Cabrio ist ein echter Viersitzer und weder bei Kopf- noch Ellbogenfreiheit sind Zugeständnisse nötig. Selbst der Kofferraum blieb in gleicher Größe erhalten. Nur bei offenem Dach schrumpft er auf 120 Liter Ladevolumen. Dafür lässt sich selbst bei geöffnetem Verdeck die geteilte Rückenlehne umklappen. Als Zweisitzer bietet der kurze Brite damit immerhin 605 Liter Raum für Gepäck. Diese für ein Cabrio wirklich bemerkenswerte Variabilität toppt der Mini noch mit einem pfiffigen Detail: So ist das hintere Dachteil über der nach unten öffnenden Heckklappe um etwa 20 Zentimeter hochklappbar. Damit wächst die Öffnung beträchtlich und macht das Einladen größerer Gegenstände bequemer. Die Klappe selbst hängt an Stahlseilen und darf mit 80 Kilogramm belastet werden. Dadurch lassen sich zum Beispiel Wasserkästen ohne große Mühe in den Kofferraum bugsieren. Zum Öffnen des Verdecks genügt ein einziger Knopfdruck. Die solide Stoffhaut faltet sich Z-förmig in 15 Sekunden über der Hutablage und dem Heckabschluss zusammen und schützt sich selbst mit ihrem vorderen Außenteil. Bis 120 km/h lässt sich sogar der vordere Verdeckteil wie ein Schiebedach öffnen. Offen erfreut das Mini Cabrio dank steiler Frontscheibe und einem prima Windschott mit zwei zugfreien Plätzen und Panoramablick. Bei geschlossenem Verdeck ist der Blick nach hinten dank vergleichsweise großer Heckscheibe aus Glas längst in Ordnung. Die Park-Distance-Control hilft bei der Rücksicht nach und ist serienmäßig an Bord. Außerdem bleibt der Innengeräuschpegel selbst bei höherem Tempo erfreulich niedrig. Im Interieur können sich die Insassen an den gleichen Dingen erfreuen wie im normalen Mini – und außerdem noch an ein paar Änderungen: Die solide, aber erkennbar aus Plastik gefertigte Innenraumverarbeitung gibt es jetzt auf Wunsch auch in der Farbe der Karosserielackierung, die Mittelkonsole trägt bei allen Minis ein dezent gestaltetes Ablagefach, das beispielsweise das Handy zuverlässig an seinem Platz hält, und der Tacho ist jetzt auf Wunsch auch über dem Lenkrad montiert, ohne dass das Navigationssystem geordert wird. Angesichts der guten Voraussetzungen bei der Karosse sind im Fahrverhalten nur wenig Unterschiede gegenüber den geschlossenen Mini-Varianten auszumachen. So erfreut auch das Cabrio vor allem mit äußerst agilem Handling. Die Grundabstimmung ist straff, bietet aber angenehmen Komfort und ermöglicht hohe Kurvengeschwindigkeiten. Auch das Ansprechverhalten kann sich sehen lassen. Kurz, direkt und knackig hält das neue Fünfganggetriebe den 115 PS starken Cabrio gut am Gas und schafft 150 Nm bei 4500 U/min. Dazu passen die Fahrleistungen: 9,9 Sekunden von Null auf Hundert und 195 km/h Spitzentempo. Allerdings änderten die Techniker die Getriebeabstufung. So rückten beispielsweise die Gänge zwei und drei näher zusammen. Die neue Scheinwerferoptik, die überarbeiteten Stossfänger, der modifizierte Grill und die neuen Heckleuchten sind ebenfalls positive Facelifts. Armaturenbrett und Türverkleidung werden in Silber, Anthrazit oder im Alu- oder Holzlook offeriert, die Vierer-Bestuhlung in Stoff, Leder oder einer Kombination von beidem. In seinen Grundzügen ist der Mini One Cabrio aber dennoch der alte Mini geblieben: Kurze Karosse, langer Radstand, kurze Überhänge – ein kompaktes Profil. Die Fahrdynamik dieses Kleinwagens ist beachtlich, denn der Mini One Cabrio toppt das hohe Niveau seiner Vorgänger in dieser Beziehung sogar. Er hat sich das direkte und verbindliche Wesen bewahrt, hält den Fahrer mit seiner wunderbaren Lenkung stets über das auf dem Laufenden, was sich zwischen Reifen und Straßenbelag abspielt. Die Pedalwege, der nötige Kraftaufwand, Suchen und Finden der Gänge im manuellen Sechsganggetriebe wirken vertraut und treffen den richtigen Kompromiss zwischen leicht und schwer. Der Mini One zeigt, dass es bei einem Kleinwagen nicht zwingend eines großen Motors bedarf, um Fahrspaß aufkommen zu lassen. Er ist nicht nur gewachsen, sondern erwachsener geworden und bewahrt sich dabei dennoch die für einen Mini typische Verspieltheit.

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