Textile Architektur

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Architektur verlangt heute nach immer mehr Leichtigkeit und Flexibilität. Mehrfach gekrümmte Flächen und aufwendige Raumkörper sind keine Seltenheit mehr. Computer erlauben es uns, die Bauformen immer freier zu wählen und die Grenzen des Möglichen in immer weitere Ferne zu rücken. Um diese formale Freiheit nicht nur am Bildschirm, sondern auch in der Realität umsetzten zu können, gewinnt auch die textile Architektur mehr und mehr an Bedeutung.

Ein frei geschwungenes Flächentragwerk überspannt das Centre Pompidou in Metz. Das Tragwerk besteht aus einer hölzernen, sechseckigen Grundstruktur und soll an das Geflecht eines chinesischen Hutes erinnern. Der Erschliessungsturm im Inneren wirkt wie die Haupttragstange des „Zirkuszeltes“ und durchstösst das Dach auf 77 Metern Höhe. Von hieraus überspannt es den gesamten mehrgeschossigen Innenraum und läuft zum Eingangsbereich in einem Vordach aus. Als würde es von einem Sog in die Erde gezogen, geht das Tragwerk fliessend in die Stützen des Vordaches über. Die darüber gezogene Dachhaut bildet eine weisse Membran auf Glasfaser- und Teflonbasis. Durch das transluzente Material wird tagsüber der Innenraum erhellt und bei nächtlicher Beleuchtung gibt die auf die Dachhaut projizierte Tragstruktur ein interessantes Lichtspiel nach aussen. Als Kontrast zu der geschwungenen Fläche stossen vereinzelt Quaderförmige Gucklöcher wie aus einem Maulwurfsbau hervor und bieten Panoramaaussichten auf die Stadt Metz.

Nur ein Vorhang?

Er hängt herab in spielerischer Leichtigkeit. Flattert rastlos im Wind, fliegt auf, fliegt zu, verschleiert mal und gibt mal Preis, was sich dahinter verbirgt. Die Sonne strahlt ihn unerbittlich an. Ein zarter Schatten wölbt sich durch seine Falten. Dahinter bleibt es kühl, angenehm kühl im Schatten dieses Spiels. Im Hochsommer hängen die Stoffbahnen zwischen den Arkadenbögen des Piazza San Marco in Venedig herunter und schützen die Arkaden vor der brennenden Sonne. Der aussenliegende Vorhang kommt vor allem in heissen und sonnigen Klimaregionen vor und wird meistens als Sonnenschutz eingesetzt. Sei es als Abdunklung vor den Fenstern oder als horizontale Abdeckung von Hauseingängen, Läden oder ganzen Strassenschluchten. Während die architektonische Auffassung und Durchgestaltung des baulichen Sonnenschutzes immer mehr auf die Spitze getrieben wird, ist das Verhängen von Fenstern das einfachste aller Verschattungselemente.

Welches Beispiel könnte besser zeigen, welche Spannung ein Vorhang einem Gebäude geben kann, als das Curtain Wall House in Tokio. Das traditionelle Wohngefühl Japans liebt es, den Innenraum mit dem Aussenraum zu verschmelzen. Die Innenwände bestehen aus leichten Holz-Papierkonstruktionen und lassen sich weit öffnen. Der Architekt Shigeru Ban gibt mit seinem Vorhang-Haus dieser Wertvorstellung eine ganz moderne Auslegung. Der zweigeschossige Lebensraum findet zwischen zwei Betonscheiben statt. Von seiner Umgebung trennt ihn lediglich ein umlaufender, weisser Vorhang, der entweder zwischen den zwei Betonscheiben verspannt ist, oder aber frei im Wind flattert. So gibt er dem Bewohner ein Wohngefühl völliger Freiheit und Leichtigkeit. Das Erleben des Aussenraumes ist unmittelbar. Des Nachts kann der Vorhang zugezogen werden und gibt ein schützendes Gefühl vor der Weite der aussenliegenden Dunkelheit.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in AFA Magazin Ausgabe 02/2011.
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